Zeit 13.01.2026
07:07 Uhr

(+) Kulinarische Falschbenennungen: Wieso das Pain Suisse kein Schweizer ist


Beim Essen geht es nicht nur um den Geschmack, sondern auch um Marketing. Deshalb sind manche Speisen nach Orten benannt, mit denen sie wenig zu tun haben.

(+) Kulinarische Falschbenennungen: Wieso das Pain Suisse kein Schweizer ist
Nomen est omen, heißt es. Aber das gilt nicht in der Kulinarik. In der Schweiz kann man ein Fondue Bourguignonne, also ein Burgunder Fondue, bestellen, bei dem man Rindfleischwürfel selbst in heißem Öl gart. In französischen Bäckereien hingegen kann man ein Blätterteiggebäck mit Vanillecreme und kleinen Schokoladenstückchen kaufen, das Pain Suisse (Schweizer Brot). Trotz ihrer Namen wurden beide Gerichte jedoch nicht in den Ländern und Regionen erfunden, die ihnen ihren Namen gaben. Erinnert habe ich mich an die beiden kulinarischen Spezialitäten, als ich kürzlich nach Dijon reiste und die Cité internationale de la gastronomie et du vin besuchte. In der Ausstellung "À la table des Français" ("Am Tisch der Franzosen") werden diese erfundenen Traditionen präsentiert, auch das Fondue Bourguignonne. Es war ein Lausanner Gastronom namens Georges Esenwein, der das Gericht 1948 im Café Bock erfunden hatte. Warum er sein Fondue nach einer französischen Region benannte? Offenbar aus zwei Gründen: Erstens servierte er zu seinem Gericht am liebsten einen Burgunderrotwein. Zweitens verwendete er meist Fleisch vom Charolais-Rind, einer Rasse, die ebenfalls aus dem Burgund stammt.