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22.11.2025
18:55 Uhr
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Der polnische Pianist Krystian Zimerman tritt nur selten auf – und gibt noch seltener Interviews. Eine Begegnung mit einem Perfektionisten, der keiner sein will.

Dafür, dass Pianisten eigentlich musizieren sollten, reden sie seit neustem ausgesprochen gerne. Víkingur Ólafsson unterbricht sich bei Konzerten regelmäßig selbst, um ausführlich zu erklären, was er gerade spielt; Yuja Wang und Khatia Buniatishvili machen als Markenbotschafterinnen für Rolex und Cartier mindestens so virtuos Werbung wie Musik; und Lang Lang sitzt sowieso meist nebenberuflich am Flügel und arbeitet hauptberuflich als sein eigener Pressesprecher. In dieser geschwätzig-beredten Klavierwelt fällt Krystian Zimerman schon durch sein Schweigen auf. Nur selten tritt der polnische Altmeister auf, seltener noch äußert er sich öffentlich oder gibt Interviews. Zwar weiß man, dass er eine Vorliebe für das Repertoire der Spätromantik hat; genauso, dass er 2022 mit dem Nobelpreis der Künste, dem Praemium Imperiale ausgezeichnet wurde, den Chopin-Wettbewerb 1975 als jüngster Teilnehmer aller Zeiten gewonnen hat, sowie als vielleicht wichtigster lebender Interpret des polnischen Nationalhelden und gnadenloser Perfektionist gilt. Was jedoch in dem 68-jährigen Pianisten vorgeht – das weiß niemand. Zimerman ist das vielleicht letzte große Geheimnis der Klavierwelt.