Zeit 08.02.2026
15:07 Uhr

(+) Krankmeldungen: Wir lassen uns nicht zu viel, sondern zu wenig krankschreiben


Seit Wochen wird uns erzählt, dass wir zu wenig arbeiten und zu viele Privilegien haben. Warum das unsere Gesundheit gefährdet und der Wirtschaft schadet.

(+) Krankmeldungen: Wir lassen uns nicht zu viel, sondern zu wenig krankschreiben
Dieser Artikel ist Teil von ZEIT am Wochenende, Ausgabe 06/2026. Ich hasse luschige Viren, die nur Kopfschmerzen, Schlappheit und Schleim machen, statt mich ordentlich umzunieten. Manchmal bin ich wochenlang nicht richtig krank und nicht richtig gesund. Dann frage ich mich, ob es als "blaumachen" gilt, wenn ich mich semimalade krankschreiben lasse. Für eine standesgemäße, deutsche Arbeitsunfähigkeit braucht es eine Trümmerfraktur am Oberschenkel, Erbrechen mit Galle, neue Influenzavarianten aus der Hölle. Wobei, krankschreiben lassen: sehr witzig. Ich habe Kinder. Carearbeit kennt keine Krankschreibung. Und wenn ich, vollgepumpt mit Ibu, sie dann in die Schule und die Kita gebracht habe, dann kann ich auch gleich erwerbsarbeiten. Starre dann sediert durch den Monitor hindurch auf eine imaginäre, grüne Wiese und wünsche mir, ich wäre eine KI, stets gesund.