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19.01.2026
08:54 Uhr
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Trotz seiner Beeinträchtigung durfte der Sohn unserer Autorin auf eine Regelschule gehen. Doch nach drei Jahren war er dort nicht mehr erwünscht. Warum?

Es ist die Klasse von Jona, die auf der Bühne steht und singt. Die Klasse, zu der er nicht mehr gehört. Jonas jüngerer Bruder wird an diesem Tag im Spätsommer eingeschult. Unsere ganze Familie hatte sich gefreut, dass die beiden Jungs nun eine gemeinsame Schule besuchen würden. Zwei Wochen vor den Sommerferien aber hieß es, dass es besser sei, wenn Jona die Schule verlässt. Nach drei Schuljahren auf der Regelschule, für die wir so gekämpft hatten, war der Traum vom inklusiven Lernen für unseren Sohn vorbei. Jona* ist neun Jahre alt und hat eine seltene Erkrankung, die mit komplexen Symptomen verbunden ist. Er hat eine Sehbehinderung, eine Stoffwechselstörung sowie orthopädische, hormonelle und psychische Beeinträchtigungen. Seit wir seine Diagnose kennen, hat uns der Gedanke geholfen, dass in Deutschland jedes Kind, egal ob es eine Behinderung hat oder nicht, das Recht hat, selbstbestimmt und gleichberechtigt zusammen mit anderen aufzuwachsen und zu lernen. Eines von vielen Kindern zu sein, ganz egal, was es kann und welche besonderen Bedürfnisse es hat. Seit Deutschland im Jahr 2009 die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnet hat, gilt: Inklusion ist ein Menschenrecht, genau wie Bildung. Was kann da noch schiefgehen?, dachten wir. Lange her.