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09.12.2025
15:30 Uhr
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Wer klug ist, schreibt Familienrezepte rechtzeitig auf. Alle anderen müssen sich durch Ausprobieren wieder herantasten. Wir haben das für Omas Kartoffelklöße getan.

Ich war leider nie vorausschauend genug, die Rezepte meiner Familie aufzuschreiben. Meine Oma hatte keine handgeschriebenen Zettel in der Schublade, meine Mutter nur ein paar, aber nicht die richtigen. Von all den Gerichten, die mich durch meine Kindheit begleitet haben, sind die meisten heute nur noch Erinnerungen, die große Sehnsucht in mir wecken. So war es auch bei diesen Kartoffelklößen, die mit geröstetem Brot und Speck gefüllt werden und am Ende in Butterbröseln baden. Bis vor Kurzem dachte ich, sie würden im Ofen gemacht. Erst als ich mit meiner Schwester hin und her gechattet habe, wurde klar: Nein, sie werden gekocht. Typisch wir, sie mit dem besseren Gedächtnis, ich mit der Nostalgie. Also habe ich mich ans Werk gemacht, ohne Rezept. Die ersten Versuche waren nichts, aber irgendwann hatte ich es. Der Teig war so fluffig, die Füllung so knusprig-salzig wie früher. Wie bei Oma eben. Ich habe das Ergebnis gleich stolz gefilmt und meiner Schwester ein Video geschickt. Ihre Antwort? "Ich will sofort das Rezept haben!" Und das von ihr, die nie nach Rezept kocht … obwohl wir Zwillinge sind. Familie eben.