|
16.12.2025
12:55 Uhr
|
Auf Facebook verbreiten sich KI-generierte Bilder, die aussehen wie Fotos aus Vernichtungslagern. Holocaustgedenkstätten schlagen Alarm, der Konzern Meta schaut weg.

Die Geschichte von Henek, dem Violinisten, ist schrecklich. Das Bild zeigt einen auf die Knochen abgemagerten Mann, der mit ebenso abgemagerten Mitgefangenen durch das Vernichtungslager Auschwitz marschiert und dabei auf einer Geige spielt. Er habe sie in die Gaskammern begleiten müssen, heißt es in dem Text unter dem Bild, das auf Facebook gepostet wurde. Nach dem Krieg habe er nie wieder eine Violine angerührt. Der Beitrag hat fast 9.000 Likes. Nur: Henek gab es nie. Die Geschichte ist frei erfunden, das Foto und der Text sind mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) generiert worden. Tausende solcher gefälschter Bilder und berührender Texte über angebliche Schicksale in den Vernichtungslagern der Nazis finden sich derzeit in den sozialen Medien, und es werden offenbar immer mehr. "Das Phänomen eskaliert gerade", sagt Paweł Sawicki, Sprecher der Gedenkstätte Auschwitz, im Interview mit der ZEIT. Auch die Gedenkstätten Dachau, Bergen-Belsen, Mauthausen, Neuengamme und Flossenbürg antworten auf Nachfrage, dass sie eine Zunahme solcher Bilder beobachten.