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24.02.2026
11:48 Uhr
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Ob Geschlecht und Identität, Israel und Hamas: Kaum jemand ist intellektuell so umstritten wie Judith Butler. Gedanken zum 70. Geburtstag des Philosophiestars

Judith Butler gehört zu den einflussreichsten Intellektuellen der Gegenwart, die Art zu denken hat tiefe Spuren hinterlassen: Viele Menschen machte der Philosophiestar erstmals mit der Idee vertraut, dass es neben dem biologischen Geschlecht auch noch ein kulturelles Geschlecht gibt. Ersteres heißt bei Butler "sex", das Zweitere "gender". Unsere geschlechtliche Identität, unser Verhältnis zu unseren Körpern, das alles ist demnach nicht naturbestimmt, sondern kulturell geprägt. Darum sind wir auch frei, uns diesen Prägungen zu entziehen und uns in geschlechtlichen Fragen selbst zu entwerfen: Kein Gott, kein Patriarchat, keine Biologie kann uns befehlen, wer wir sind, was wir zu tun haben und mit wem wir Liebesbeziehungen eingehen dürfen. So könnte man die Thesen zusammenfassen, die Butler in den späten Achtziger- und frühen Neunzigerjahren vertrat.