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17.02.2026
08:00 Uhr
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In Moskau gehen die Behörden gegen einen rheinischen Karnevalisten vor. Wladimir Putin machte damit das Unmögliche möglich: Er vereinigte Köln und Düsseldorf.

Es mag nicht Wladimir Putins Absicht sein, sich für die rheinische Völkerverständigung einzusetzen. Doch in den vergangenen Jahren war der russische Präsident beim Düsseldorfer wie beim Kölner Karneval einer der größten gemeinsamen Nenner: Während der sich traditionell als politisch verstehenden Rosenmontagszüge wurde er wagenweise für sein Diktatorengehabe verspottet und für den Angriffskrieg in der Ukraine kritisiert. Und das gefiel dem potenziell dünnhäutigen Potentaten gar nicht. Er ignorierte den Spott nicht einfach, wie man es von einem Weltenlenker erwarten würde. Im Gegenteil: Putin ließ es zu oder betrieb es gar selbst, dass einem Düsseldorfer Karnevalisten seit einigen Wochen in Moskau der Prozess gemacht wird, in Abwesenheit. Jacques Tilly heißt der Karnevalist, ist 62 Jahre alt, Bildhauer und wegen seiner politisch-bissigen Themenwagen eine der wenigen Karnevalslegenden, die in den notorisch verfeindeten und in ihrer Feindschaft verbundenen Hochburgen rheinischen Frohsinns gleichermaßen geschätzt wird.