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16.12.2025
20:49 Uhr
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Jokha Alharthis Roman wurde als erster aus der arabischen Welt mit dem Man Booker International Prize ausgezeichnet. Eine Begegnung mit der omanischen Autorin in Berlin

Man muss sich das mal vorstellen: Diese ganz und gar fabelhafte, kluge Frau von der Küste des Indischen Ozeans wurde im verschnodderten Berlin ausgesetzt. Es ist Ende Oktober, es ist kalt, es nieselt, man hat ihr nichts gelassen außer ebendieses enge Hotelzimmer zum Schreiben und den Herbst. Jokha Alharthi tritt kurz an das kleine Fenster, sieht unten die Eilenden und die Ratte, die da über den Asphalt flitzt, sie geht hinaus in die Stadt. Bald stößt sie auf den Kanal. Menschen erzählen ihr die Geschichte dieses Wassers, und so weiß sie bald von seinen Untiefen und Abzweigungen. Sie ist eine unaufdringliche Beobachterin, der sich die kratzbürstige, eigentlich scheue Stadt langsam öffnet. Alharthi fährt Bus, wo ihr zufällige Sitznachbarn ihr Leben anvertrauen, Alharthi hört zu und denkt mit, dann beginnt sie, in diesem kleinen Hotelzimmer, mit dem Schreiben, und das wird ein feiner Roman, tief und filigran, Schicht um Schicht Leben.