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13.02.2026
10:34 Uhr
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War der weltberühmte Stardirigent Herbert von Karajan ein Nazi? Der Historiker Michael Wolffsohn rollt diese Frage in seinem neuen Buch noch einmal ganz neu auf.

Wenn ein scharfzüngiger, mit der öffentlichen Erregung so virtuos jonglierender Zeithistoriker wie Michael Wolffsohn sich über die NS-Verstrickungen des Dirigenten Herbert von Karajan beugt, erwartet die Leserin Zündstoff. Was für eine funkelnde Konstellation! Der Antisemitismus-Forscher und das Künstlergenie, der Nachfahre von Holocaust-Überlebenden und der Günstling Görings, der akademische Medienprofi, der viele Bücher über das deutsch-jüdische Verhältnis geschrieben hat, und der Liebling des Wirtschaftswunder-Jetsets zwischen Salzburg und St. Moritz. Karajan, schreibt Wolffsohn in der Einleitung von Genie und Gewissen, gehe ihn eigentlich nichts an. Das stimmt, mit Musik hat er wenig am Hut. Stattdessen bringt er sich selbst ins Spiel, seine eigene jüdische Identität und Perspektive. Und das erzeugt eine erstaunliche Nähe und Emotionalität.