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15.02.2026
20:48 Uhr
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Zwei großartige deutsche Filme sind bei der Berlinale uraufgeführt worden: "Rose" und "Der Heimatlose" beginnen wie Western, erzählen aber ganz andere Geschichten.

Kommt ein Fremder in ein Dorf – mit dieser Wendung beginnen Anekdoten, Novellen und schlechte Witze. Und mit ihr beginnen zwei wunderbare deutsche Filme, die jetzt auf der Berlinale uraufgeführt worden sind. Rose von Markus Schleinzer und Der Heimatlose von Kai Stänicke untersuchen auf originellste Weise den Aufruhr, den ein Fremder in einer geschlossenen Gesellschaft auslöst. Ein Soldat kommt aus dem Dreißigjährigen Krieg in ein Dorf und beansprucht ein großes Stück Land und einen verlassenen Hof für sich; beides, so behauptet er, habe er geerbt. Die Papiere, die ihn als Erben ausweisen, hat er bei sich. Eine tiefe Narbe zieht sich von seinem Mundwinkel durchs Wangenfleisch. Man schoss ihm im Krieg ins Gesicht, aber er hat sich mit dem Schicksalsschlag nicht nur abgefunden, er bewältigt ihn mit Stolz: Die Gewehrkugel, von der er getroffen wurde, trägt er als Talisman an seinem Halsband, und wenn er nachdenkt, nimmt er die Kugel in den Mund und kaut auf ihr herum. Überhaupt zeigt er die seelische Kargheit und den knappen Wortschatz einer Westernfigur.