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24.11.2025
15:44 Uhr
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Auch Menschen wie Xavier Naidoo muss man vergeben. Das Bob-Dylan-Konzert in Köln brachte unseren Autor auf ungewöhnliche Gedanken.

Ich verrate ein journalistisches Berufsgeheimnis. Von den älteren Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, etwa ab achtzig Jahren, haben viele Printmedien bereits Nachrufe in der Schublade. Falls diese Person nämlich so unprofessionell ist, ausgerechnet kurz vor Redaktionsschluss zu sterben, könnte ja niemand innerhalb von wenigen Minuten den hochdifferenzierten und tiefreflektierenden Nachruf aus sich herauswringen, auf den ein Prominenter aus der A-Liga Anspruch hat. Es ist ein komisches Gefühl, einen Nachruf auf jemanden zu schreiben, der noch putzmunter im Fernsehen Interviews gibt. Ich habe das ein paar Male gemacht. Man fühlt sich irgendwie schuldig, auch wenn man dieser Person noch viele glückliche Jahre wünscht. Einmal habe ich sogar mit schlechtem Gewissen einem Menschen die Hand geschüttelt, auf den ich ein paar Monate zuvor einen sensiblen Nachruf geschrieben hatte. Kurz danach starb die Person. Seitdem schreibe ich keine Nachrufe auf Lebende mehr.