|
18.02.2026
18:19 Uhr
|
Der Regisseur Milo Rau verhandelte im Stück "Prozess gegen Deutschland" ein AfD-Verbot. Ein Monolog empörte besonders.

Schon im Saal spürte man, dass hier, im so oft um Bedeutung ringenden Theater, etwas Außergewöhnliches passierte. Man hörte die Buhrufe mancher Zuschauer und ahnte, dass draußen bald ein lauteres Echo folgen würde. Am vergangenen Wochenende fand im Hamburger Thalia Theater über drei Tage hinweg Milo Raus Prozess gegen Deutschland statt, der auf der Bühne ein mögliches AfD-Verbot verhandelte. Auch der Kolumnist Harald Martenstein trat auf. Er hielt eine leidenschaftliche und geschliffene Rede, mit krachenden Vergleichen, die bei den einen Begeisterung, bei anderen Empörung auslöste. Klar, nachträglich halfen einige dabei nach, im Sinne ihrer Agenda diese Rede zu verbreiten. Doch zunächst glänzte das Theater in einer Disziplin, die keine andere Kunstform so beherrscht: der physischen Wucht des Moments. Was hier passierte, war ein Ereignis, über das man diskutieren kann, diskutieren muss.