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23.12.2025
15:06 Uhr
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Hans Joas' wuchtiges Buch "Universalismus" gelingt es, im mentalen Chaos der Gegenwart zum Gefährten zu werden. Es ist das Lebenswerk eines großen Denkers.

Lesen hat seine Geschichte, natürlich, es verschleißt sich: Wenn jetzt in irgendeinem Buch von Menschen so ganz im Allgemeinen die Rede ist, ist man plötzlich unkonzentriert und blättert weiter, überschlägt die Kapitel über die ganze Menschheit, nicht konkret genug, nicht divers genug, wer genau ist denn damit gemeint, wo und wann? Ähnlich geht es vielen mit den übernutzten Großbegriffen Kolonialismus, Universalismus und so fort, man verliert sich unwillkürlich in den Ismen und legt die Lektüre beiseite, erst recht, wenn das Buch dick ist. Und viele sind ermüdet, wenn sie über Moral oder Macht lesen sollen, auch dies sind meistens zerdehnte Kampfwörter, die unterdessen über alles gestülpt werden und wenig Konkretes bedeuten. Man liest’s, bemüht sich kurz, kann sich nichts merken und legt’s weg.