Zeit 03.12.2025
06:02 Uhr

(+) Gentechnik in der Landwirtschaft: Und am Horizont: blühende Fabriklandschaften


Die EU will den Einsatz von Gentechnik erleichtern. Doch nicht nur die geplante Verordnung ist fragwürdig, sondern auch die Idee von Natur, die in all dem steckt.

(+) Gentechnik in der Landwirtschaft: Und am Horizont: blühende Fabriklandschaften
Einst beschrieb Christian Morgenstern die Schönheit eines vertrauten Baumes im Winter – und weckte zugleich Sehnsucht nach dem leisen Rauschen seines zarten Laubs im Sommerhauch, dem herbstlichen Brausen: "Die blätterlosen Pappeln stehn so fein, so schlank, so herb am abendfahlen Zelt…", Vorfrühling, so hat er das Gedicht überschrieben, "… und wunderlich in Ahnung ruht die Welt". Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts, wie seit jeher, galt die Pappel als Symbol für Vergänglichkeit und Wiederauferstehung. Aber Poesie war gestern, heute richtet sich auch auf die Pappel vor allem ein ökonomischer Blick. Hoher Zelluloseanteil, schnelles Wachstum, reichlich CO₂-Bindung: Sie ist eine vielfältig nutzbare Rohstoffquelle für Papier-, Energie- und Kohlenstoffmärkte. Wenn sich die EU-Kommission am 3. Dezember durchsetzt, dann wird nicht nur dieser Top-Runner der Bioökonomie durch Gentechnik noch weiter getoppt. Dann dürfen Forscher Pappeln und viele andere Pflanzen noch passgenauer für die Produktivitätsansprüche der Industrien zuschneiden – womöglich mit weitreichenden Folgen für Landschaft und Natur.