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10.12.2025
17:57 Uhr
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Nicht aus Syrien oder Afghanistan – aus Venezuela fliehen die meisten Menschen in die EU. Ein Vater erzählt von der Flucht. Und Schuldgefühlen gegenüber seiner Familie.

Während Orlando Cruz seine Geschichte erzählt, blättert er immer wieder in einem dicken blauen Ordner. Darin hat er Reisedokumente und Behördenbriefe abgeheftet, Bescheinigungen kopiert und Fotos abgelegt. Es sind Zeugnisse seines alten Lebens in Venezuela, und seiner Flucht. Sie sollen belegen, was Cruz erzählt. "Wir hatten ein gutes Leben, ein glückliches", sagt der 43-Jährige und deutet auf eine Aufnahme mit seiner Frau Adriana, Arm in Arm, vor einem roten Pickup. Cruz trägt einen Cowboyhut, beide lächeln in die Kamera. Das Bild ist schon ein paar Jahre alt, aus einer Zeit, als noch alles gut war, sagt er. Die Familie wohnte nicht weit von der kolumbianischen Grenze, Cruz hatte ein Transportunternehmen für Vieh und Lebensmittel und einen kleinen Laden, seine Frau kümmerte sich um das Haus und die drei gemeinsamen Kinder.