Zeit 14.01.2026
13:33 Uhr

(+) Friedrich Merz: Ein Kanzler im Abenteuerland


Bislang fremdelt der Kanzler mit dem Osten, dabei geht es dort um viel für ihn. In Sachsen-Anhalt trifft er nun auf eine CDU in der Krise – und eine siechende Wirtschaft.

(+) Friedrich Merz: Ein Kanzler im Abenteuerland
Friedrich Merz startete in dieses neue Jahr mit einer Personalentscheidung – er entließ Jacob Schrot und damit den wichtigsten Ostdeutschen in seinem Umfeld. Inwieweit der bisherige Büroleiter des Bundeskanzlers mit diesem überhaupt über den Osten sprechen konnte? Fraglich. Schließlich hatte Merz erst die Außenpolitik als unerlässliche Domäne seiner Kanzlerschaft ausgerufen, und er hat zuletzt angekündigt, sich stärker als bisher auf die siechende Wirtschaft konzentrieren zu wollen. Zunächst einmal gehört zu dieser Ausrichtung auch eine Festrede, die Merz am Mittwochabend in Halle/Saale halten wird. Beim Neujahrsempfang der örtlichen Industrie-, Handels- und Handwerkskammern wird der Bundeskanzler mutmaßlich auf die wirtschaftliche Großwetterlage Deutschlands genauso zu sprechen kommen wie auf die schwierige Situation der in Sachsen-Anhalt eminent wichtigen chemischen Industrie. Zugleich stellt sich vor Ort aber auch die Frage, inwieweit Merz eine Hilfe sein wird für seine CDU, die in einem durchaus abenteuerlichen Manöver in Sachsen-Anhalt gerade vereinbart hat, den amtierenden Ministerpräsidenten Reiner Haseloff nur acht Monate vor der Landtagswahl doch noch auszutauschen gegen den CDU-Spitzenkandidaten Sven Schulze, der bislang ein großzügig geschnittenes Wirtschaftsministerium in Magdeburg führt. Sorge um die Wirtschaft im Bund, Sorge um die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt, Sorge der CDU um das eigene Abschneiden bei der Landtagswahl Anfang September. Ganz schön viel liegt da in der Luft. Zu viel?