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27.05.2026
11:28 Uhr
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Die blutaffine Künstlerin Florentina Holzinger inszeniert ein »Pfingstspiel« in Wien. Es gibt eine Pinkelnummer, es wird brutal – und selbst die Pausen sind interessant.

In der Warteschlange, die in der Wiener Nachmittagshitze von der Spielstätte des Eislaufvereins bis ans Eck des Akademietheaters reicht, herrscht schon ein lüsterner Grusel. Wird es sehr schlimm werden? Machen die wieder Fleischerhaken in die Haut? Ja, das Publikum weiß, was hier gleich kommt, und der freudige Schauder davor gehört dazu wie das Gefühl hinterher, wenn der Schmerz nachlässt. Die Wiener Festwochen haben Florentina Holzinger, die unumstritten umstrittenste Theaterperformerin mindestens Europas eingeladen, ein Pfingstspiel aufzuführen. Vor ein paar Wochen erst hat sie auf der Biennale von Venedig mit dem österreichischen Pavillon, wo nackt im Klärbecken getaucht und Jetski gefahren wird, allen die Show gestohlen, nun legt sie nach. Das Pfingstspiel ist eine mit riesigem Aufwand produzierte, achtstündige Hochleistungsshow an zwei Spielorten, mit irren Stunts, einem Panzer und reichlich Fluggerät. Das Pfingstfest dagegen erinnert an die Ankunft des Heiligen Geistes, der als Flamme auf die Apostel niederkam, und Holzinger interpretiert es wie eigentlich all ihre Werke: nach dem Schema der christlichen Passion. Leiber werden gequält und zugerichtet, doch der Mensch unter seiner Leidenshülle geht gereinigt und gestärkt daraus hervor.