Zeit 06.03.2026
19:10 Uhr

(+) Florentina Holzinger: Die Kunst der Zumutung


Sie bohrt sich Haken ins eigene Fleisch und lässt Frauen auf der Bühne ihre Notdurft verrichten. Warum nur? Ein Tag in Venedig mit der Choreografin Florentina Holzinger

(+) Florentina Holzinger: Die Kunst der Zumutung
Als Florentina Holzinger an diesem Februarabend die Treppen zu Gate A38 heruntersteigt – einem abgeschiedenen Ort am Flughafen Berlin, der mehr einer Sackgasse gleicht als einem Tor zur Welt –, presst sich mein Körper plötzlich und wie ohne mein Zutun an die Wand hinter mir. Als hätte er gehört, was diese Frau mit anderen Körpern macht. In dem Stück Tanz lässt die Choreografin Frauen in die Luft ziehen, an Metallhaken, die sich durch ihre Rücken bohren. In A Year Without Summer durchstechen Haken Wangen. Bei Holzinger, die auch immer selbst mitspielt, penetrieren sich Frauen mit Umschnalldildos und verrichten synchron ihre Notdurft. Da werden Schwerter geschluckt und Kamerasonden, Eingeweide gefilmt und die Bilder davon auf Leinwände geworfen. 18 Erste-Hilfe-Einsätze an nur zwei Abenden soll es bei Sancta in Stuttgart gegeben haben – nicht auf der Bühne, sondern im Zuschauerraum. Eine Darstellerin, raunt man sich noch Monate später zu, habe der anderen ein Stück Fleisch aus der Flanke geschnitten! Anschließend habe man es in einer Pfanne gebraten, medium rare, und verspeist.