Zeit 27.11.2025
17:01 Uhr

(+) Florence Gaub: "In den Nullerjahren verschwand die Zukunft"


Für die Nato entwickelt die Militärstrategin Florence Gaub Zukunftsszenarien. Ein Gespräch über das Jahr 2031 und welches Szenario ihr selbst Angst macht.

(+) Florence Gaub:
Was tun wir, wenn es plötzlich kracht? Im Baltikum? Oder ganz woanders: in der Arktis? In ihrem Job bei der Nato spielt die Militärstrategin und Politikwissenschaftlerin Florence Gaub unvorhersehbare Lagen durch. Sie sagt: Die Deutschen kommen besonders schwer mit Ungewissheit klar – anders als die glücklichen Finnen. DIE ZEIT: Frau Gaub, die Deutschen halten die Zukunft für vorbestimmt. Das ist Ihre These. Warum sehen Sie die Deutschen so? Florence Gaub: Die Deutschen halten Ungewissheit schlecht aus. Um die Anspannung zu regulieren, malen sie die Zukunft lieber negativ. Das klingt absurd, aber eine ganz sicher schlechte Zukunft fühlt sich dann angenehmer an als eine Zukunft, in der alles Mögliche passieren kann. Ich glaube, dazu kommt bei uns Deutschen noch ein gewisser intellektueller Dünkel gegen den Optimismus. Wir machen uns gern über die Amerikaner lustig: Die sehen die Zukunft als Gestaltungsraum. Dabei stammt der Zukunftsoptimismus aus der Aufklärung, und die haben doch deutsche Denker geprägt. Ich weiß nicht, wo wir da die Ausfahrt verpasst haben.