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01.03.2026
19:39 Uhr
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Es bestimmt, wie wir leben, träumen, planen. Fünf Studierende erzählen, was Geld für sie bedeutet: vom Lokführer über den Erben bis zur OnlyFans-Creatorin.

Julian Henry Helmut Raab, 25, studiert Wirtschaft & Schauspiel und jobbt als Lokführer. Nettobudget: 1.600 Euro "Auf meinem Schreibtisch steht ein eingerahmtes Zitat, das mich gut beschreibt: 'Wenn für uns nur zählt, womit wir rechnen können, rechnen wir nicht mehr mit dem, was zählt.' Ich komme aus Magdeburg und habe es nach dem Abi mit Jura probiert, mich aber noch im ersten Semester bei der Bahn beworben. Das war ein Kindheitstraum. Nach der Trennung meiner Eltern hatten wir kein Auto mehr, und ich bin mit meiner Mutter überallhin mit der Bahn gefahren. Die Ausbildung zum Lokführer dauerte zweieinhalb Jahre. Während Corona war ich mit diesem Job plötzlich systemrelevant, das hat mir Halt gegeben. Heute arbeite ich immer noch als Lokführer und finanziere mir damit mein Studium in Alfter bei Bonn. Ich muss schon lange selbst für mich sorgen. Mein Vater unterstützt mich nicht, und meine Mutter hat in der Pandemie ihren Job als Jugendherbergsleiterin verloren. Geld heißt für mich Freiheit, aber auch Verantwortung dafür, dass das, was ich tue, im Gleichgewicht bleibt. Mein Studiengang heißt Wirtschaft & Schauspiel. Viele sagen, Schauspiel ist eine brotlose Kunst. Ich aber bin überzeugt, dass mir genau diese Fächerkombination wirtschaftlich nützen kann. Ich lerne in den Schauspielkursen viel darüber, wie Menschen ticken. Chefinnen und CEOs sind oft nicht authentisch, wirken nicht ehrlich. Im Studium habe ich verstanden: Führung ist auch eine Rolle, die man annehmen muss, um glaubwürdig zu sein. Bis ich in so eine Rolle kommen kann, muss ich noch zwei Semester studieren. Wenn ich nachts nach einem langen Tag am Bahnhof sitze und auf die erste Regionalbahn warte, frage ich mich manchmal, warum ich mir das antue. Aber wenn die Sonne über dem Rhein aufgeht und das Licht durch die Frontscheibe fällt, ist das vergessen."