Zeit 23.12.2025
15:02 Uhr

(+) Fernbeziehung: 900 Kilometer Sehnsucht


Sieben Jahre Fernbeziehung. Zwischen mir und ihm: zwölf Stunden Deutsche Bahn. Meine Liebe zum Mann und zur Bahn erlebten die fünf klassischen Phasen. Nur eine überlebte.

(+) Fernbeziehung: 900 Kilometer Sehnsucht
Als die Schaffnerin das Wasser in den teuren Glasflaschen verteilt, nicht das Notfallwasser im Tetrapak, nicht die kleinen PET-Fläschchen, nein, Glas! – da weiß ich, und da weiß auch die Schaffnerin: Jemand hat so richtig verkackt. Zwei Uhr morgens. Ich liege auf dem muffigen ICE-Teppich unter der Gepäckablage und drehe mich im kalten Licht, in der Hoffnung, ohne Nackenstarre aufzuwachen. Über mir ein Dach aus Trolleys und Rucksäcken. Der Geschäftsmann gegenüber hat den Kopf aufs Jackett gelegt und zockt Farmville. Unser Zug war so verspätet, die Durchsagen und Gleiswechsel so chaotisch, dass wir es nicht mehr über die Schweizer Grenze geschafft haben. Gleich mehrere ICEs sind gestrandet, Unterkünfte und Taxis restlos ausgebucht. Nichts geht mehr. Deshalb liege ich im "Hotelzug", wie die Schaffnerin ihn feierlich genannt hat. Und stelle mir genau hier auf dem Teppich die älteste Frage jeder großen Liebesgeschichte: