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27.01.2026
06:59 Uhr
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Affären, Missbrauch, Gewalt – Familien sind nicht heil, sondern bergen Abgründe. Darüber kann man schweigen – oder sie teilen, sagt die Philosophin Barbara Bleisch.

Geheimnisse können schwer auf Familien lasten. Die Philosophin Barbara Bleisch wägt ab, wann es gut ist, sich zu öffnen – und wann besser zu schweigen. Denn was in der Familie bewahrt werden sollte oder nicht, hängt stark von den möglichen Konsequenzen ab, erklärt sie in dieser Folge unserer Serie "Familienrat". DIE ZEIT: Liegt es in der Natur von Familien, dass sie Geheimnisse haben? Im Wort Geheimnis steckt das "Heim" ja schon drin. Barbara Bleisch: Tatsächlich vertrauen wir Geheimnisse meist nur Personen an, mit denen wir schon vertraut sind. In Familien besteht eine besondere Intimität, ob wir wollen oder nicht, weil sich die Mitglieder schon lange kennen und sehr persönliche Momente geteilt haben. In vielen Sagen und Märchen sind es enge Freunde oder Familienmitglieder, die den entscheidenden Hinweis zum Verrat geben können. Eltern erleben ihre Kinder außerdem als schutzbedürftige Wesen, bügeln vielleicht mit ihnen Fehler aus. Umgekehrt sehen Kinder ihre Eltern manchmal weinen oder streiten; sie erleben sie in Situationen, die sonst niemand mitbekommt. Wird in einer Familie Belastendes oder sogar Gewalt unter den Teppich gekehrt, entsteht ein Familiengeheimnis, das zur Last werden kann. Vielleicht verpflichtet ein Elternteil ein Kind sogar explizit zum Schweigen.