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31.01.2026
16:00 Uhr
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Wahre Elternliebe zeigt sich, wenn Kinder allein klarkommen sollen. Nur wie gelingt das? Ob Ente, Hausmaus oder Giraffe: Wir haben ein paar Experten gefunden.

Es war ein Fall für die Polizei, die kennt das schon. Eine Entenfamilie hatte sich verlaufen und war im Westend der südhessischen Stadt Offenbach am Rande einer vierspurigen Straße von einer Anwohnerin gestoppt worden. Sie hatte auf der Wache angerufen, um Hilfe gebeten. Zwei Streifenwagen sausten herbei, und die Polizisten verfrachteten sieben piepsende Küken in einen Plastikkorb im Auto. Die Mutter der Winzlinge allerdings ließ sich nicht einfangen, keine List half. Sie schnatterte aufgeregt, flatterte wild herum. "Irgendwann haben wir versucht, mit geöffneter Heckklappe langsam loszufahren, um zu gucken, wie die Ente reagiert", sagt Kommissarin Juliana Oestreich, "da nahm sie die Verfolgung auf, watschelte hinterher, später rannte sie und flog sogar. Sie ließ die Kleinen nicht aus den Augen." Der zweite Wagen sicherte nach hinten ab. So ging es mit Blaulicht durch den Verkehr über Kreuzungen und Ampeln. "Quakend hat die Mama die ganze Zeit Kontakt zu ihren Küken gehalten", sagt Oestreich. Nach etwa eineinhalb Kilometern war die Kolonne am Friedrichsweiher angelangt, wo die Sippe unter Piepsen und Schnattern wieder vereint wurde. Die rührende Szene im Familienleben der Wasservögel war jedoch nur eine Momentaufnahme. Kleine Enten futtern unermüdlich Grünzeugs und Würmer, legen täglich an Gewicht und Umfang zu. Schnell sind sie groß, zwei Monate nach dem Schlüpfen schon ausgewachsen. Dann ist Schluss mit der Zuwendung der Mutter und bald Trennung angesagt, wie vertraut man sich auch immer war: Start in die Eigenständigkeit.