Zeit 19.01.2026
10:21 Uhr

(+) Eiskunstlauf: Dünnes Eis


Olympia verpasst Stefanie Pesendorfer verletzt. Jetzt stellt sich die Eiskunstläuferin ihrer größten Herausforderung – und spricht über die abgründigen Seiten im Sport.

(+) Eiskunstlauf: Dünnes Eis
Ein paar Quadratmillimeter. So klein ist die Auflagefläche einer Schlittschuhkufe. Rasierklingenscharf geschliffene, hauchdünne Kanten aus gehärtetem Edelstahl. Für Eiskunstläufer schrumpfen sie in entscheidenden Momenten auf einen winzigen Punkt zusammen. Ihn exakt zu treffen vor dem Dreifachsprung, darauf Pirouetten zu drehen, ihn gegen die Fliehkräfte zu verteidigen, das entscheidet in ihrem Sport über einen Spitzenplatz. Für Stefanie Pesendorfer war dieser Punkt eine ganze Welt. Achtzehn Jahre lang. Seit ihrer Kindheit trainiert die Oberösterreicherin in frostkalten Hallen, feilt an Choreografien, fällt hin, steht auf, fällt wieder hin. Sie gehört zu den erfolgreichsten Athletinnen Österreichs, Staatsmeistertitel, Teilnahme an Welt- und Europameisterschaften. Eigentlich sollte sie jetzt mitten in der Vorbereitung für den Höhepunkt ihrer Karriere stecken, die Olympischen Winterspiele 2026 in Italien im Februar. Kür und Kurzprogramm, der letzte Schliff. Stattdessen sitzt die 22-Jährige in einem schlabbrigen Shirt und Jogginghose am Esstisch ihrer kleinen Einliegerwohnung im Elternhaus in Marchtrenk in Oberösterreich und spricht über: ihre Essstörungen, ihre Panikattacken, ihre Verletzungen. Die körperlichen, die sie die Olympia-Teilnahme gekostet haben. Und vor allem die seelischen, die seit Jahren an ihr zehren.