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31.12.2025
09:46 Uhr
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Dem Begriff "Durchhalten" haftet etwas Unzeitgemäßes an. Dabei kann er als Kern der Zivilisation gedeutet werden. Wer durchhält, ist heroisch. Er wächst über sich hinaus.

Wie hält man durch? Das ist die große Frage zum Jahreswechsel. Und da sie nach einer genaueren Bestimmung verlangt, schließen sich ihr gleich weitere Fragen an. Erstens: Ist eigentlich jeder dazu in der Lage, durchzuhalten? Ist die Gabe zur Zähigkeit angeboren oder eher antrainiert? Zweitens: Warum und wofür sollen wir etwas durchhalten? Wann lohnt das Zähnezusammenbeißen überhaupt, das ständige Sichzusammenreißen, um ein Jahr zu überstehen und das nächste anzugehen? Glauben wir noch an Durchhalteparolen? Ist das Durchhalten nicht ein heroisches Konzept, das wir uns in den überalterten und fragilen (und vermutlich deshalb so diskursaufgeregten) Demokratien längst derart abgewöhnt haben, dass es gar nicht mehr reaktiviert werden kann? Selbst dann, wenn man es bräuchte? Es haftet dem Begriff "Durchhalten" jedenfalls etwas schillernd Unzeitgemäßes, vielleicht auch Verdrängtes an.