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08.12.2025
10:34 Uhr
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Bandenkriege, Foltercontainer, Morddrohungen: Nirgends in Europa kommt so viel Kokain an wie in Belgien. Kann das Land seinen Abstieg zum Drogenstaat noch aufhalten?

Nur wenige Gehminuten von Antwerpens Hauptbahnhof liegt Seefhoek. Wie eine Betonfestung ragt hier die Polizeiwache in die Höhe. Die Fenster sind abgehängt, die Türen verriegelt – nur wovor eigentlich? Schön ist es doch mit den arabischen Gemüseläden, dem Duft frisch gebackenen Brots. Vor Cafés sitzen Männer beim Tee, Jugendliche schießen auf Scootern vorbei. "Ankunftsviertel" nennt man hier Seefhoek. Für viele Migranten ist es ihre erste Adresse in Antwerpen. Plötzlich bricht die Ruhe. Ein Fahrrad schießt auf den Bürgersteig, seine Fahrerin ruft "Aus dem Weg!" und bremst. Neben ihr springen weitere Radfahrer ab. Einer trägt eine orange Armbinde – es sind Polizisten in Zivil. In Sekunden drücken sie drei Männer gegen eine Ladenfront. Ein Beamter übersetzt ins Arabische: Hosen runter, Jacken öffnen. Die Polizisten suchen kaputte Briefkästen ab, schauen in Ritzen an der Hauswand, wischen durch beschlagnahmte Handys. Schließlich findet ein Beamter mehrere Päckchen mit weißem Pulver. Handschellen klicken, ein Mann wird abgeführt zu einem Geländewagen.