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08.01.2026
05:39 Uhr
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Es klingt so schlüssig: Donald Trump bricht das Völkerrecht, um an Öl zu kommen. Doch die Wahrheit dahinter ist noch zynischer. Es geht um Aufmerksamkeit.

Noch nie in der Geschichte der Menschheit hat ein einzelner Mensch so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen wie Donald Trump. Selbst seine Vorgänger im mächtigsten Amt der Welt waren weder fähig noch willens, Tag für Tag Milliarden Menschen in ihren Bann zu ziehen. Selbstverständlich könnte Trump das nicht ohne sein Amt. Aber vielleicht verdankt sich diese gigantische Aufmerksamkeit weniger seiner Macht als umgekehrt: Seine Macht nährt sich aus der gigantischen Aufmerksamkeit. Das konventionelle geopolitische Denken konstatiert dieser Tage, Trump habe mit seinem venezolanischen Völkerrechtsbruch die amerikanische Soft Power endgültig dahingegeben, Werte, Ideale, Regeln, all das. Doch verfügt Trump durchaus über gewaltige Soft Power, sie ist nur von anderer Art. Er pflegt keine Bündnisse, aber er verstrickt die Welt, Gegner wie Anhänger, in seine Aktionen, in sein Denken, in sein Menschenbild, in seinen Tagesablauf. Und er nutzt die historisch einmalige Aufmerksamkeit, um jedem seine These vom Leben einzubimsen, dass nämlich alle Menschen so sind wie er, gierig, egoistisch, rücksichtslos, ablenkbar. Von hier aus teilt sich die Gesellschaft für ihn in jene, die das auch zugeben, das sind die Guten – und in jene, die das leugnen, das sind die Gefährlichen.