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16.12.2025
09:51 Uhr
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Theoretisch könnte man die Tochter jederzeit per Videochat erreichen. Bloß hat sie dazu leider nur sehr, sehr selten Zeit. Warum sind Eltern digital abgehängt?

Wenn ein Kind so weit weg ist wie Greta, ist man auf moderne Kommunikationsmittel angewiesen. Von ihrem Domizil im bolivianischen Sucre aus ist eine perfekte Videoübertragung möglich. Ich staune oft, dass Bolivien, ein Land mit löchriger Infrastruktur, jederzeit einwandfreies Internet bereitstellt. In Berlin ist das nicht so. Meine Frau und ich sprechen manchmal darüber, wie Kommunikation über weite Strecken früher funktionierte. Mein Urgroßvater war Anfang des 20. Jahrhunderts Missionar in Tansania. Wenn er nach Hause schrieb, waren die Briefe monatelang unterwegs. Später ging es leichter, es gab Telefonkabel – aber solche Telefonate waren sehr teuer. Wer ein Gespräch nach Übersee führte, war innerhalb weniger Minuten ein Vermögen los, nur um am anderen Ende der Leitung eine rauschende Stimme zu hören, die klang, als würde sie durch das Meer hindurch sprechen. Heute sehe ich meine Tochter in gestochen scharfem Bild, das per Satellit zu mir übertragen wird. Die Nutzung der App kostet nichts. Irre. Theoretisch könnte ich Greta den ganzen Tag live dabei beobachten, wie sie in Bolivien ihren Alltag bestreitet.