Zeit 22.12.2025
21:00 Uhr

(+) "Die Aussiedlung" von András Visky: Ein einziger, lebenslanger Satz


Was für ein magischer Roman, findet die Nobelpreisträgerin Herta Müller: "Die Aussiedlung" von András Visky erzählt von einer deportierten Familie in Rumänien.

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Die Mutter wird mit ihren sieben Kindern von zu Hause abgeholt und auf der Ladefläche eines Lkw ins Lager gebracht. Lupu, der Hund der Familie, rennt hinter dem Lkw her. Da befiehlt der Major dem Fahrer, langsamer zu fahren, und Lupu kratzt mit den Krallen schon an der hinteren Bordwand der Ladefläche. Einen Moment glaubt die Familie, dass der Hund dem Major leidtut und mitfahren darf. Aber: "Da entsicherte der Major seine Pistole und schoss auf den Hund, nicht einmal, nicht zweimal, er versenkte eine ganze Salve in ihm." Während die Kugeln fliegen, flucht er vulgär. Die Kugeln treffen den Hund am Hals, in der Stirn und im Maul, dass der Körper des Hundes buchstäblich zerreißt, "Lupu blieb in der Luft, sah uns verwundert an (...) er flog weiter, so leicht hatte er sich noch nie gefühlt, es war wunderschön, wie er uns durch das Morgenlicht hinterherflog, immer weiter und weiter, schwerelos glitt er durch sein eigenes spritzendes Blut und stürzte nie ab, lieber, liebster Lupu, flieg, flieg".