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25.12.2025
14:07 Uhr
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Auf eines kann man sich verlassen in Deutschland: Weihnachten und Neujahr läuft "Das Traumschiff", und alles darin wird sein wie immer. Unglaublich! Und interessant.

In der Reihe "Die Pflichtverteidigung" ergreifen wir das Wort für Personen, Tiere, Dinge oder Gewohnheiten, die mehrheitlich kritisiert und abgelehnt werden. Dieser Artikel ist Teil von ZEIT am Wochenende, Ausgabe 52/2025. Das deutsche Fernsehen ist ein bisschen wie die Deutsche Bahn. Man benutzt beides eigentlich nur, wenn man muss (was beim Fernsehen selten geworden ist, dieser Internetausbau in Deutschland: eine einzige Erfolgsgeschichte!). Oder weil man noch mal nachschauen möchte, ob es wirklich so schlimm ist, wie die anderen behaupten. Beide Systeme, Fernsehen wie Bahn, zwingen einen als Zuschauer respektive Passagier durch einen dezidiert ungewollten rite de passage. Der typische Zeitverlauf ähnelt dem Erwachsenwerden: jugendlich-naives Staunen, abgelöst durch anschwellendes Klagen, gelegentliches kurzes Hoffen, zähes Verzweifeln, am Ende Resignation. Man abonniert Netflix und legt sich vielleicht doch ein Auto zu.