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17.02.2026
20:17 Uhr
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Netflix macht Orhan Pamuks Liebesroman "Das Museum der Unschuld" zur Serie, der Nobelpreisträger spielt sogar selbst mit. Es ist eine Huldigung an die Wehmut Istanbuls.

Wie kann man das Glück eines Moments, das absolute Glück, das nur wenige Sekunden währte, ein ganzes Leben lang ausdehnen? Wie kann man es wieder und wieder in sich zurückrufen, es neu erleben? Sind vielleicht die Menschen, die einmal den perfekten Moment erfahren haben, die wahrhaft Unglücklichen unter uns? Weil sie ihr ganzes weiteres Leben lang in der Vergangenheit leben. Die Gegenwart, die Zukunft sind nur noch Gespenster eines Ideals, das für immer entschwunden ist. Das ist die Geschichte von Kemal und Füsun, so wie sie der türkische Schriftsteller und Nobelpreisträger Orhan Pamuk in seinem 2008 erschienenen Roman Das Museum der Unschuld beschreibt. Sie haben die perfekten Sekunden erlebt. Den Moment vollendeten Glücks in der Liebe. Ein Schweben, eine Schwerelosigkeit, ein Zusammengehören ohne Fragen, ohne Zukunft, ohne Vergangenheit. Kairos der Liebe. Seligkeit auf Erden. Oder besser: Der Industriellensohn Kemal hat es so erlebt und einen Schriftsteller gebeten, es für ihn aufzuschreiben: "Am Sonntag, den 26. Mai 1975, gegen Viertel vor drei waren wir von Schuld und Sünde, von Reue und Strafe errettet, und in der Welt waren die Gesetze von Zeit und Schwerkraft aufgehoben."