Zeit 03.03.2026
15:55 Uhr

(+) DDR-Romane: Geteilte Hölle


Jenny Erpenbecks "Kairos", Uwe Tellkamps "Der Turm", Thomas Brussigs "Helden wie wir": Warum gibt es bis heute keinen ehrlichen DDR-Roman?

(+) DDR-Romane: Geteilte Hölle
Ost-Berlin, Mitte der Achtzigerjahre, Brasserie Ganymed am Schiffbauerdamm, wo sonst nur Parteibonzen und Staatskünstler verkehren. Ein älterer Schriftsteller und eine junge Frau, die noch ein halbes Kind ist, essen Berner Butter-Bouillon mit Wachtelei und feiern ihr neues Liebesglück. "Du sollst mit mir schlafen!", hatte sie am Tag vorher streng zu ihm gesagt, es war ein Befehl wie auf einem preußischen Kasernenhof. Dazu lief Mozarts Requiem, sie dachte an Jesus und freute sich, dass sie einen berühmten Nomenklaturisten verführt hatte. So beginnt Jenny Erpenbecks miefiger, verklärender, postprotestantischer Ost-Roman Kairos, für den sie neulich von ein paar ahnungslosen Engländern den Booker Prize bekommen hat. Wie dumm kann man nur sein.