Zeit 22.12.2025
21:09 Uhr

(+) Chris Rea: Mit den Füßen auf heiligem Grund


Der britische Blues-Musiker Chris Rea war eine seltene Doppelbegabung: ein begnadeter Gitarrist und ein großer Balladenschöpfer. Nun ist Rea gestorben. Ein Nachruf

(+) Chris Rea: Mit den Füßen auf heiligem Grund
Das nennt man dann wohl, und das ist so ernst wie liebevoll gemeint, einen angemessenen Abgang. Driving Home for Christmas hieß sein bekanntester Song, und drei Tage vor dem diesjährigen Weihnachtsfest ist Chris Rea nun gestorben. Der britische Rock- und Blues-Musiker wurde 74 Jahre alt. Das Weihnachtslied hat wohl jeder Mensch unwillkürlich im Ohr, wenn Reas Name fällt, "I'm driving home for Christmas, yeah / Get my feet on holy ground", ebenso die dunkelsamtene, mal leicht, mal schwer heisere Stimme. Der Gesang von Chris Rea bewegte sich stets an der Grenze zum Sprechgesang, manchmal auch an der Grenze zum Nuscheln und Murmeln. Oft hatte man das Gefühl, dass er eigentlich nur für sich selbst singt, sodass seine Musik noch in den dramatischsten Momenten authentisch und nahbar wirkte. Man höre, wie er in Driving Home for Christmas (1988) zu dem festtagsfroh beschwingten Klavier und den Broadway-heiter sich darüber erhebenden Streichern die Melodie so gleichermaßen lässig und nachlässig singt, als ob er sich wirklich gerade auf einer sehr langen Reise nach Hause befände oder auf einer sehr langen Reise durchs Leben. Oder anders gesagt: Chris Reas Stimme war schon immer von der Aura einer gewissen Grundmüdigkeit umflort, sie war "road-weary", wie man im Englischen sagt, welt- und reisemüde. Umso schöner erschien es, wenn die Musik drumherum strahlte.