Zeit 14.12.2025
16:57 Uhr

(+) Cerro Rico: Der Fluch des Silberbergs


Das Silber aus dem Cerro Rico in Bolivien machte Europa reich. Seit Jahrhunderten wird der Berg ausgebeutet, Tausende arbeiten noch in ihm. Nun beginnt er einzustürzen.

(+) Cerro Rico: Der Fluch des Silberbergs
Dieser Artikel ist Teil von ZEIT am Wochenende, Ausgabe 50/2025. Bevor die Männer in den Berg steigen, von dem es heißt, er fresse Menschen, werden ihre Wangen dick und die Blicke starr. Sie greifen in grüne Plastiksäckchen, schieben sich Kokablätter unter die Oberlippen. Macht die Beine leichter, die Augen weiter. 9.30 Uhr, Schichtbeginn im bolivianischen Hochland, auf 4.400 Metern. Gleich wollen die Minenarbeiter hinein, tief ins Innere des Berges, auf den sie gestiegen sind, den legendären Cerro Rico. Cerro Rico, der reiche Berg. Reich an Silber. Aber reich gemacht hat er die Menschen hier nie. Stattdessen holten die Spanier seit 1545 das größte Silbervorkommen der Welt, das der Cerro Rico in sich trug, nach Europa, den Kapitalstock für die Industrialisierung. Dafür starben die indigenen Zwangsarbeiter in den Minen. Ein Chronist des spanischen Königshauses beschrieb den Berg damals als menschenfressende Bestie. Es gibt Geschichten über das Wasser, das aus Bergklüften tritt, rot eingefärbt von Eisenoxid: die Bestie, sie schwitze Blut.