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02.03.2026
18:15 Uhr
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In Baden-Württemberg läuft der Wahlkampf von Cem Özdemir überraschend fulminant. Was haben die Grünen, was der CDU gerade fehlt?

Cem Özdemirs Stimme ist ein kratziger Bass geworden in den letzten Wochen. In Wahlkämpfern kommt das vor. Winfried Kretschmann musste Halsschmerzen überwinden, wenn er sich abrackerte. Joschka Fischer hat sich fast heiser gebrüllt, andererseits aber auch damit gescherzt: Er ringe nicht nur um Stimmen, sondern um Stimme. Bei Özdemir wirkt es jetzt sogar so, als gehe er mit der Stimme absichtlich runter in diese dunklen, rauchigen Tom-Waits-Bereiche, um damit zu spielen, dass die Tiefe ihm Autorität verleiht. Es sind solche Details, die die Lage zeigen. Es läuft fulminant für den grünen Spitzenkandidaten von Baden-Württemberg. Lange sah es aus, als könne er wunderbar Geschichten erzählen, aber gegen die schönen Buchstaben standen die harten Zahlen der Umfragen. In denen lag er deutlich hinten. Seit vergangener Woche sagen die Zahlen aber: Das Rennen ist offen. Von 9 bis 14 Prozentpunkten Rückstand ist Özdemir jetzt nahezu auf Gleichstand mit seinem Gegner von der CDU gelangt. Damit hat der Grüne das Kostbarste erzeugt, das ein Wahlkämpfer herstellen kann: ein Gefühl von Dringlichkeit, den Eindruck, dass da eine Aufholjagd gelingen kann, die ihn binnen der letzten Tage des Wahlkampfs aus eher magerer Ausgangslage bis über die Ziellinie führt. In Baden-Württemberg sind auf einmal Zauber und Risiko einer Rarität zu besichtigen: ein Kandidat mit Momentum.