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07.01.2026
11:37 Uhr
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Er drehte betörende Filme über Schlamm, Schnee, Sozialismus und die Abgründe des Lebens. Nun ist der ungarische Regisseur Béla Tarr gestorben. Ein literarischer Nachruf

Die Welt hatte sich verändert. Ein Kino war verlassen worden, ein Vorhang hatte sich vor der Leinwand geschlossen, ein Béla-Tarr-Film war gelaufen. Die Bewegungen der Menschen draußen vor dem Kino hatten sich verlangsamt, in den Seitenstraßen verfielen die Häuser in vergangenen Zeiten und Räumen, die Bilder der Nacht, die die in die Realität entlassenen Kinobesucher nun vollkommen anders wahrnahmen, schienen in schwarz-weißer Schönheit eingefroren, als würde ein riesiger Mond all das stetig beleuchten, so wie in den Filmen Tarrs die Set-Scheinwerfer während der Dreharbeiten durch Monde ersetzt wurden (was nur ein Magier vermag). Es heißt ja, dass in der Nacht im Mondlicht die Farben verschwinden, beziehungsweise nicht mehr zu erkennen sind.