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07.01.2026
17:58 Uhr
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Ein ganzes Leben war er abwesend. Bis die Mutter starb – und unsere Autorin und ihr Vater eine neuen Weg finden mussten. Die plötzliche Nähe tut beiden verblüffend gut.

In diesem Frühjahr verbrachte ich zum ersten Mal eine Woche allein mit meinem Vater. Wir waren behutsam und freundlich miteinander, arbeiteten zusammen im Garten, kochten, gingen spazieren. An einem Abend schauten wir André Rieus Maastricht Concert im Fernsehen, und irgendwann weinten wir beide. Meine Mutter ist in diesem Februar gestorben. Meine Eltern waren 58 Jahre miteinander verheiratet. Mit meiner Mutter war ich sehr eng. Mein Vater war mir mein Lebtag zu viel. Immer wusste er alles besser, wollte alles bestimmen, und wenn wir nicht seiner Meinung waren, brüllte er. Als Jugendliche stritt ich oft mit ihm. Und davor? Als ich ein Baby war, sein erstes? Da lag ich gebadet und gefüttert im Bett und schlief, wenn er zum Mittagessen nach Hause kam. Abends waren wir für eine Stunde zu dritt, dann brachte mich meine Mutter wieder ins Bettchen. Mein Vater war draußen und verdiente das Geld. Sie war Hausfrau und Mutter und ohne Frage für die Kinder zuständig.