Zeit 21.02.2026
15:05 Uhr

(+) Berlinale-Streit: Jedes Werk ein Schlachtfeld


Bad Bunny zeigt es genauso wie die Berlinale: Weltweit wird in der Kunst wieder gekämpft. Das mag zwar aufregend sein – bringt aber die künstlerische Freiheit in Gefahr.

(+) Berlinale-Streit: Jedes Werk ein Schlachtfeld
Klein, fast winzig, waren die Protestnoten, die über Nacht in Treppenhäusern, Aufzügen und Ausstellungswänden ausgehängt wurden: Der westliche Kunstbetrieb, war darauf zu lesen, sei wie eine Seifenoper, wie eine Telenovela – stumpfsinnig, nichtssagend, banal. Westkunst sei Systemkunst und Ästhetik ohne Widerstand. Sie diene nur dazu, das Elend der Welt zu verschleiern. Den Rassismus, die Ausbeutung, die globale Apartheid, einfach alles. Kunst als leere Dissidenz, als Narrenschminke auf der Fratze der Macht: Als vor vier Jahren das indonesische Kuratorenteam Ruangrupa diese Protestnoten im Rahmen der Documenta 15 verteilte, traf sie mit ihrer Kritik einen wunden Punkt. Tatsächlich vermittelte der Kunstbetrieb damals oft genug den Eindruck schmerzfrei angepasster Unverbindlichkeit. Heute, so scheint es, ist der Vorwurf hinfällig, die Weltlage hat sich einschneidend geändert, und damit auch die Produktionsbedingungen der Kunst. In den USA ist Donald Trump wiedergewählt worden und treibt seinen regime change voran, eine rechte Revolution gegen die liberalen Gründungsakte seines Landes. Die Hamas ermordete am 7. Oktober 2023 mehr als 1.200 Israelis, worauf hin die israelische Regierung sich in einem Krieg verteidigte, der so maßlos war, dass über siebzigtausend Palästinenser starben. Große Teile der internationalen Kunstszene empören sich über die "Kollaboration" westlicher Regierungen bei diesem Krieg. Der jüngste Skandal rund um die Berlinale, bei der angeblich israelkritische Positionen zensiert werden, ist da nur eines von vielen Beispielen dieser Empörung.