Zeit 25.02.2026
20:01 Uhr

(+) Berlinale-Chefin Tricia Tuttle: Ihr Verlust wäre eine Katastrophe


Die Berlinale war hochpolitisiert, nun soll Leiterin Tricia Tuttle womöglich gehen. Das ist absurd. Eigentlich müsste der Kulturstaatsminister sie anflehen, zu bleiben.

(+) Berlinale-Chefin Tricia Tuttle: Ihr Verlust wäre eine Katastrophe
Es wäre für die Berlinale eine Katastrophe. Wie die Bild-Zeitung behauptet, plane Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, die Festivalleiterin Tricia Tuttle abzulösen, Anlass sei ein "Antisemitismus-Skandal" bei der diesjährigen Ausgabe, die am vergangenen Samstag endete. Einen solchen Skandal gab es aber nicht. Jedenfalls keinen, der den Weggang Tuttles als Leiterin des bedeutendsten deutschen Filmfestivals provozieren dürfte. Richtig ist: Bei ihrer zweiten Berlinale-Ausgabe waren Tricia Tuttle und ihr Festival einem Tsunami von politischen Äußerungen und Statements ausgesetzt. Der hängte sich letztlich an einer einzigen Frage auf: Sollte oder müsste sich die Berlinale zum Krieg in Gaza positionieren? Auf einer Pressekonferenz hatte der Jury-Präsident Wim Wenders zu Beginn des Festivals versucht, Kunst gegen Aktivismus abzugrenzen. Die Schriftstellerin Arundhati Roy sagte daraufhin ihren Berlinale-Besuch ab und verkürzte Wenders Äußerungen auf die Forderung nach einem unpolitischen Kino. Achtzig Filmschaffende reagierten mit einem offenen Brief, in dem sie der Berlinale zusätzlich vorwarfen, propalästinensische Filmschaffende mundtot zu machen, es herrsche dort ein Klima der Angst und Paranoia.