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14.12.2025
11:24 Uhr
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Belarussische Oppositionelle wie Maria Kolesnikowa sind in Freiheit. Machthaber Lukaschenko hat seine prominentesten Gegner gehen lassen. Aber zu welchem Preis?

Sie lächelt so, als würde in ihr ein Licht angehen. Sie hat noch immer diese kurzen Haare, nur dass sie jetzt brünett sind, nicht mehr platinblond. Sie formt ein Herz mit ihren Händen, so wie sie es in jenem magischen Sommer 2020 getan hat, als sich die belarussische Gesellschaft gegen ihren Diktator erhob, und später dann im Gericht, als das Urteil gegen sie fiel: elf Jahre Straflager. Fünf davon hat sie abgesessen. Seit Samstag ist Maria Kolesnikowa, 43 Jahre alt, endlich frei. Maria Kolesnikowa ist frei, ja, wirklich: Sie lebt! Sie ist frei! Diese Worte aufzuschreiben, fühlt sich unwirklich an, weil lange Zeit nichts darauf hindeutete, dass die Musikerin und Ikone der belarussischen Freiheitsbewegung jemals wieder dem Frauenstraflager Nummer 4 in Gomel entkommen würde. Am Anfang hatte sie noch Pakete annehmen dürfen, dann nicht mehr: keine Briefe, kein Essen, keine Medikamente, dafür Isolation. Sie, deren angebliche Flucht außer Landes Lukaschenkos Schergen im September 2020 inszenieren wollten, samt Auto, Pass und Ticket, widersetzte sich damals an der Grenze zur Ukraine: Zeterte auf dem Rücksitz des Autos, zerriss ihren Pass, kletterte aus dem Fenster und stiefelte zurück Richtung Belarus. Nun sollte sie gebrochen werden.