Zeit 25.11.2025
18:40 Uhr

(+) Auslandseinsätze der Bundeswehr: Brunnenbohren und Bündnisfall


Einst sollte die Bundeswehr nur für die Verteidigung der Heimat bereitstehen. Nach 1990 wird sie zur weltweit operierenden Einsatzarmee – mit immer heikleren Missionen.

(+) Auslandseinsätze der Bundeswehr: Brunnenbohren und Bündnisfall
Die Feldpost ist schon mal da. Ein rechteckiges Schild an einem schmucklosen Bürocontainer weist darauf hin. In schwarzen Sprühschablonen-Buchstaben, über den Logos von Bundeswehr und Deutscher Post, steht "Feldpostamt Rukla". Daneben an der Wand ein angeschraubter gelber Briefkasten, wie er auch in Deutschland hängen könnte. Doch das hier ist nicht Deutschland, es ist Litauen. In einem Kasernengelände nordöstlich von Kaunas wird zurzeit die Ankunft des Panzergrenadierbataillons 122 aus dem bayerischen Oberviechtach und des Panzerbataillons 203 aus Augustdorf in Nordrhein-Westfalen vorbereitet. Die deutschen Soldaten sollen in Zukunft das Gebiet am sogenannten Suwalki-Korridor sichern: die gemeinsame Grenze der Nato-Partner Litauen und Polen. Nur 65 Kilometer Luftlinie trennen hier die russische Exklave Kaliningrad von Belarus. Sollte Wladimir Putin nach seinem Angriff auf die Ukraine auch die Nato testen wollen, wäre dies ein mögliches Einfallstor. Die litauische Armee mit ihren nicht einmal 20.000 Soldaten wird das Gebiet kaum alleine schützen können. Deshalb haben die Regierungen in Berlin und Vilnius eine Vereinbarung geschlossen: Deutschland schickt 4.800 Soldaten, Litauen stellt Unterkünfte und sogar Schulen. Denn die Bundeswehrsoldaten sollen nicht nach wenigen Monaten wieder abgelöst werden. Sie sollen bleiben. Ihre Familien kommen mit, die ersten haben bereits ihre Doppelhaushälften bezogen.