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11.12.2025
13:36 Uhr
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Mal kurz ins Nagelstudio für zehn Euro: Das kann ein verborgenes System moderner Sklaverei finanzieren. ZEIT-Recherchen zeigen, wie Ermittler dagegen kämpfen.

Konzentriert bemalt ein junger Vietnamese den Fußnagel seiner Kundin. Die Frau rutscht auf ihrem Massagesessel herum. Zwischen den Feilen und Farbfläschchen des Nagelstudios hat sich ein Zöllner mit schusssicherer Weste und Waffe an der Hüfte aufgebaut. "Wie lange arbeiten Sie schon hier?", möchte der Beamte wissen. "Nächste Frage bitte", sagt der Nageldesigner, ohne den Blick zu heben. Die Beamten der Finanzkontrolle Schwarzarbeit stehen an diesem Novembertag in drei Berliner Nagelstudios. Auf einem Empfangstresen finden sie zwischen anderen Unterlagen Probearbeitsverträge, vorunterzeichnet von den Chefs. Wer morgens zum Dienst kommt, soll seinen Namen dort eintragen. So wird jeder Tag zum angeblichen Schnuppertag – und die Betreiber sparen sich Sozialabgaben.