Zeit 19.11.2025
16:38 Uhr

(+) Auktionshaus Felzmann: "Solche historischen Zeugnisse gehören nicht in private Haushalte"


In Neuss sollten Holocaust-Dokumente unter den Hammer. Es folgte ein Eklat. Fritz Backhaus vom Deutschen Historischen Museum über den blühenden Handel mit NS-Andenken

(+) Auktionshaus Felzmann:
Am vergangenen Montag sollten beim Auktionshaus Felzmann in Neuss historische Dokumente aus der Sammlung eines "privaten NS-Forschers" versteigert werden. Die Auktion löste sowohl bei Forschungseinrichtungen wie dem Fritz Bauer Institut in Frankfurt am Main als auch in der Presse Empörung aus und wurde daraufhin abgesagt. Wie blicken Einrichtungen wie das Deutsche Historische Museum in Berlin (DHM) auf den Sammlermarkt für Briefe, Akten und andere Zeugnisse der nationalsozialistischen Diktatur? DIE ZEIT: Herr Backhaus, das Auktionshaus Felzmann wollte ein Konvolut mit dem Titel Das System des Terrors, Volume II, 1933–1945 versteigern, darunter den Brief eines polnischen Auschwitz-Häftlings aus dem Jahr 1940 (Startpreis 180 Euro), die Gestapokarteikarte mit Informationen zur Hinrichtung eines jüdischen Bewohners des Ghettos Mackheim in Ostpreußen (350 Euro) und einen Judenstern für Schutzhäftlinge im Konzentrationslager Buchenwald (350 Euro), laut Auktionsbeschreibung mit "Gebrauchsspuren". Vor wenigen Tagen wurde der Verkauf abgesagt. Wären die Objekte für Sie als Sammlungsdirektor des DHM von Interesse?