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19.11.2025
12:37 Uhr
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So viel Geld für ein einziges Bild? Gestern Nacht wurde ein Frauenbildnis Gustav Klimts zum zweitteuersten Werk der Auktionsgeschichte. Und zwar zu Recht.

236 Millionen Dollar (umgerechnet 204 Millionen Euro) wurden gestern Nacht bei Sotheby's in New York nach einem langen Gefecht zwischen zwanzig Bietern für das Bildnis Elisabeth Lederer von Gustav Klimt bezahlt. Damit geht das zwischen 1914 und 1916 entstandene Bild als zweitteuerstes Gemälde aller Zeiten in die Auktionsgeschichte ein. Es gibt sieben Gründe, warum es diesen astronomischen Preis erzielt hat. Egon Schiele mag der bessere Maler im Wien der Jahrhundertwende gewesen sein. Aber Klimt war schon damals der bekömmlichere, marktgängigere Künstler mit Aufträgen aus den besten jüdischen Familien der Stadt. Schiele ist zwar mit seiner quälenden Selbstbefragung zwischen Selbstverliebtheit und Selbstzerstörung zu einer Leitfigur der Kunst bis hin zu den großen amerikanischen Gegenwartskünstlern Cindy Sherman und Paul McCarthy geworden. Klimt jedoch hat mit seiner fließenden, goldumglänzten Kunst, die immer auf höchstem Niveau harmlos bleibt, schon immer den Nerv des Establishments getroffen – 1900 in Wien wie 2025 in New York.