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03.03.2026
20:33 Uhr
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In der stählernen Düsternis eines Marinestützpunkts sagt Emmanuel Macron: "Um frei zu sein, muss man gefürchtet werden." Soll das etwa europäische Souveränität sein?

Europa, so forderte Emmanuel Macron in seiner europäischen Grundsatzrede 2017 an der Sorbonne, müsse seine nationalen Spaltungen überwinden und endlich eine eigene "Souveränität aufbauen". Die Rede des französischen Präsidenten war mitreißend, sie sprühte vor Fantasie und zehrte glaubwürdig vom europäischen Traum, von "Freiheit, Menschenrechten und Gerechtigkeit". Doch man rätselte. Was meinte Macron mit "Souveränität", diesem ebenso schwierigen wie abgründigen Begriff? Gestern hat Macron erklärt, was er sich unter europäischer Souveränität vorstellt, und seine nachgereichte Klärung klingt erschreckend. Inmitten einer Kulisse voller stählerner Düsternis, auf dem Marinestützpunkt für Atom-U-Boote Île Longue in Crozon, sagte er: "Um frei zu sein, muss man gefürchtet werden, und dazu wiederum muss man Macht haben." Er sprach nicht von Verteidigungsfähigkeit oder Abschreckung, sondern bediente – "muss man gefürchtet werden" – die Rhetorik der Furcht.