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23.12.2025
14:29 Uhr
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Arnulf Rainers Kunst war Widerstand gegen das Autoritäre und gegen das Glatte. Sein Neffe erinnert sich an Begegnungen mit dem großen Maler.

Ich hätte Arnulf noch einmal besuchen sollen. Nicht irgendwann, nicht nach den Feiertagen, nicht erst, wenn man wieder Luft hat für das, was man sich als Geschichte im Kopf zurechtlegt. Ich hätte ihn für ein letztes großes Gespräch treffen sollen, das ich mir für die ZEIT vorgenommen hatte. Es kam nicht mehr zustande. Arnulf Rainer, der jüngere Bruder meines Vaters, ist am 18. Dezember 2025 gestorben, zehn Tage nach seinem 96. Geburtstag. Mir bleibt also kein Interview, sondern nur die Erinnerung. Die setzt sich nicht zusammen aus Fakten, sondern aus Bildern, Gerüchen, Tonfällen – und Orten. Vielleicht passt das ohnehin besser zu meinem Onkel, dessen Werk immer davon lebte, dass unter der sichtbaren Schicht noch etwas arbeitet, dass das Überdeckte nicht verschwindet, sondern zurückspricht.