Zeit 05.03.2026
21:03 Uhr

(+) António Lobo Antunes: Mit Wolkenstückchen im Haar


Der große portugiesische Schriftsteller António Lobo Antunes, lange Nobelpreiskandidat, war auf der Suche nach einer Sprache der Liebe. Nun ist er gestorben. Ein Nachruf

(+) António Lobo Antunes: Mit Wolkenstückchen im Haar
Ja, danke, das wisse er selbst, und er höre das übrigens öfter, dass er "schwer zu lesen sei", ja, ja, hat António Lobo Antunes Journalisten geantwortet, die ihn besuchten und sich sanft beklagten, dass ihnen die Vorbereitung auf das Gespräch etwas schwergefallen sei. Warum mache er so wenig Punkte? Bewusstseinsstrom schön und gut – aber wo ist das Ufer? Die Sprache fließt dahin, immer wieder Einschübe, Gedanken, Ideen. Wer spricht? Wohin trägt uns dieser Fluss der Sprache? António Lobo Antunes ist tot. Er war Portugals bedeutendster, produktivster und nobelpreisverdächtigster Schriftsteller. Als er 1998 den Nobelpreis seines Konkurrenten José Saramago telefonisch kommentieren sollte, brach irgendwie die Leitung zusammen. Ein Kommentar war ihm beim besten Willen nicht möglich. Er war die Nummer eins nach Fernando Pessoa. Wenigstens er selbst hat es gewusst. "Ich scheiß auf den Nobelpreis", hat er später behauptet. Das klang nicht so überzeugend. Viele nannten ihn zuletzt immerhin den Cristiano Ronaldo der Literatur. Fleißig, trickreich, unermüdlich. Nur Weltmeister ist er nicht geworden.