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11.01.2026
20:37 Uhr
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Ihr Vater hörte von einem Tag auf den anderen auf zu trinken. Jahre später erkennt unsere Autorin: Die Muster, die ihn fast zerstört hätten, leben längst in ihr weiter.

Dieser Artikel ist Teil von ZEIT am Wochenende, Ausgabe 02/2026. Mein Vater lag betrunken auf dem Teppich vor der Wohnzimmertür. Ich war 15 und war es gewohnt, dass er sich nach ein, zwei Wochen, in denen er nicht trank, komplett wegschoss. Dass er es aber mitten in der Woche nicht einmal schaffte, sich auf die Couch zum Ausnüchtern zu legen, war neu. Meine Mutter machte ein Bild von ihm auf dem Boden. Es waren die Neunziger, es dauerte eine Weile, bis sie ihm das Foto vor uns Kindern zeigte. Er schämte sich, blieb aber ohne Worte und ich ohne Mitleid. Zu groß waren meine Wut und Verachtung.