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26.11.2025
19:44 Uhr
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Die Eltern von Spitzenkoch Ali Güngörmüs trauten sich nie in sein Sternerestaurant – obwohl ihre Ersparnisse drinsteckten. Ein Familiengespräch über Essen und Heimat

Er wurde in Anatolien als mittleres von sieben Geschwistern geboren, kam mit zehn Jahren nach München – und kochte schon zehn Jahre später in einem Zwei-Sterne-Restaurant: Ali Güngörmüş, 49, gehört zu den prominentesten Köchen Deutschlands. Heute hat er in seiner Münchner Pera-Meze-Bar für seine Familie den Tisch gedeckt: Spitzkohl mit Ananas, Zucchini-Peperoncini-Joghurt, Minz-Cacık mit Maulbeeren und vieles mehr. Seine Geschwister Gülcan, 53, Murat, 50, und Şahin, 47, sind schon da, der jüngste Bruder Can arbeitet hinter der Theke, nur zwei Schwestern konnten nicht kommen. Gülcan hat ihre Tochter Aylin mitgebracht. Als Letzte kommen die Eltern Hasan, 93, und Haskar, 83. Sie sind gerade aus der Türkei zurückgekehrt, wo sie den Sommer über leben, und haben zwei schwere Koffer dabei mit Früchten, die sie in ihrem Garten für Ali Güngörmüş getrocknet haben und die er hier und in seinem zweiten Restaurant, dem gehobeneren Pageou, verwendet. Das Pageou ist nach dem Dorf benannt, aus dem auch sein Vater stammt. Zu Gast war der Vater in dem Restaurant aber noch nie. Heimat, Essen, Familie: Darüber wollen wir heute an dem langen Holztisch reden, wo Deutsch und Türkisch fröhlich durcheinandergehen.